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Der Strommarkt
Um die 900 Anbieter konkurrieren in Deutschland um die Gunst ihrer Kunden, sowohl überregionale als auch regionale Anbieter, die ihrerseits häufig Tochtergesellschaften überregionaler Gesellschaften sind. RWE, Eon, EnBW und Vattenfall sind die größten Anbieter – zusammen beherrschen sie ungefähr 80 % des gesamten Marktes.
Da elektrischer Strom im alltäglichen Leben unverzichtbar ist und zur Aufrechterhaltung der Versorgung gut gepflegte Infrastrukturen vorhanden sein müssen, galten Stromnetze lange Zeit als sogenannte natürliche Monopole. Daraus folgte, dass die Stromversorgung als Aufgabe des Staates galt. Erst infolge der Gestaltung des EU-Binnenmarktes wurden in Deutschland im Jahr 1998 die staatlich geregelten Strom-Monopole abgeschafft. Seitdem müssen sich Stromanbieter dem Wettbewerb stellen: jeder Bürger hat die Möglichkeit, sich seinen Versorger selbst auszusuchen. Allerdings ist diese Liberalisierung des Strommarktes nicht so reibungslos verlaufen, wie sie sollte. Noch immer befinden sich Versorgungsunternehmen zu großen Teilen im Besitz von Städten und Gemeinden. Die Verflechtung von staatlichen und privaten Anteilen an Stromversorgungsunternehmen macht eine Marktanalyse schwierig. Erfolg hat die Liberalisierung vor allem dem großen Anbietern gebracht – viele kleinere Anbieter wurden und werden vom Markt verdrängt. Denn während 1999 zunächst ein starker Preiskampf auf dem neuen freien Markt stattfand, fusionierten bald alle größeren Anbieter, wogegen sich die kleineren Unternehmen trotz der Vereinbarung von Kooperationen und Allianzen kaum halten konnten. Durch die marktbeherrschende Funktion der führenden Großunternehmen können diese die Strompreise bestimmen, die in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Inzwischen liegen sie häufig über dem Niveau, auf dem sie vor der Privatisierung lagen.
Dennoch ist es für den einzelnen Verbraucher selbstverständlich möglich, durch eine kluge Wahl seines Stromversorgers bares Geld zu sparen. Wichtig ist es dabei auch, zu wissen, dass die regionalen Anbieter nach wie vor zum Anschluss und der Versorgung in ihrem Netzgebiet verpflichtet sind – zum Beispiel in dem Fall, dass der einzelne Haushalt einen Vertrag mit einem anderen Anbieter geschlossen hat, der dann aber die Versorgung nicht erfüllen kann. Es besteht für den Endverbraucher also nicht das Risiko, plötzlich ganz ohne Strom dazustehen, wie es als Szenario manchmal ausgemalt wurde.
Aber für den Endverbraucher ist es angesichts des riesigen Angebotes schwierig, überhaupt einen Überblick zu behalten. Unzählige Seiten im Internet versprechen einen vorgeblich objektiven Vergleich und behaupten, für jeden den günstigsten Anbieter zu finden. Um der mangelnden Transparenz des Marktes etwas entgegenzusetzen, veröffentlichte die Bundesnetzagentur Anfang dieses Jahres einen Leitfaden für Stromnetzbetreiber, der diesen eine vollständige und übersichtliche Veröffentlichung von verschiedenen Informationen im Internet nahe legt. Damit soll Erzeugern, Lieferanten und Endkunden gleichermaßen ermöglicht werden, einen Überblick über die unterschiedlichen Netzentgelte, Strukturdaten und weitere relevante Kriterien zu gewinnen.
Es hat einige Jahre gedauert, bis die deutschen Verbraucher sich daran gewöhnt haben, ihren Stromversorger frei wählen zu können. Unmittelbar nach der Abschaffung der Monopole wechselte noch kaum jemand – heute sieht das ganz anders aus. Fast die Hälfte aller Bundesbürger hat inzwischen schon einmal den Stromanbieter gewechselt.